Energiepreise 2021: Gas wird teurer

Der Strompreis legt bei seinem Aufwärtstrend zum Jahresbeginn 2021 eine Pause ein. Einige Versorger senken sogar die Preise. Dagegen wird Gas teurer. Beide Entwicklungen hängen zusammen.

Ein kleiner Schornstein auf einem bepflanzten Dach entlässt bei Sonnenaufgang die Abgase einer Gasheizung in die eiskalte Morgenluft. (Urheber/Quelle/Verbreiter: picture alliance / dpa)

Bei den Energiepreisen gibt es für die Haushalte in Deutschland zum Jahreswechsel gegensätzliche Signale.

Während eine Reihe von Versorgern die Strompreise senkt, steigen nach Angaben der Vergleichsportale Verivox und Check24 die Tarife beim Gas auf breiter Front. Vor allem weil der neu eingeführte CO2-Preis das Heizen, Kochen und Duschen mit Gas teurer macht.

GASPREIS STEIGT: Check24 zufolge erhöhen 350 Grundversorger Anfang 2021 die Gaspreise – im Durchschnitt um 6,5 Prozent. Betroffen davon seien rund 1,9 Millionen Haushalte. Bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden bedeute das zusätzliche Kosten von durchschnittlich 93 Euro pro Jahr. Eine Preissenkung hätten dagegen nur 13 Grundversorger angekündigt – im Schnitt um 5,3 Prozent. Davon profitierten rund 250 000 Haushalte. «Die bislang angekündigten Gaspreiserhöhungen zeigen, dass Verbraucher mit steigenden Kosten rechnen müssen», sagte Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei Check24. Fast die Hälfte der Wohnungen in Deutschland wird mit Erdgas geheizt.

KOSTENFAKTOR CO2: Um fossile Energien zu verteuern und klimaschonende Alternativen voranzubringen, gibt es ab 2021 einen nationalen CO2-Preis für Verkehr und Heizen. Pro Tonne CO2, die etwa beim Verbrennen von Erdgas entsteht, werden anfangs 25 Euro fällig. Laut Bundesregierung wird Erdgas dadurch um 0,6 Cent pro Kilowattstunde teurer. Im Gegenzug sollen die Bürger anderswo entlastet werden. Für Menschen mit geringen Einkommen gibt es ab Januar die sogenannte CO2-Komponente beim Wohngeld.

AUF UND AB BEIM STROMPREIS: Beim Strom halten sich laut Verivox und Check24 Preiserhöhungen und Preissenkungen in etwa die Waage. Verivox zufolge haben für Januar und Februar 2021 insgesamt 105 der rund 800 regionalen Stromversorger Preissenkungen von rund 2 Prozent angekündigt. Die durchschnittliche Entlastung liege bei 23 Euro pro Jahr.

Gleichzeitig hätten 88 Grundversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich 3 Prozent gemeldet, was Mehrkosten von rund 33 Euro pro Jahr entspreche. «Die von der Bundesregierung angekündigte Entlastung der Haushalte bei den Strompreisen ist noch nicht bei den Verbrauchern angekommen», sagte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Nach Angaben von Check24 profitieren rund 1,1 Millionen Haushalte von einer Strompreissenkung, mehr zahlen müssten etwa 630 000 Haushalte.

GEDECKELTE ÖKOSTROM-UMLAGE: Einen deutlichen Anstieg der Strompreise hat der Bund mit einer Deckelung der Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien verhindert. Sie beträgt 2021 6,5 Cent. 2020 lag sie bei 6,756 Cent. Da aber die Kosten für die Nutzung der Stromnetze steigen, macht sich die geringfügige Absenkung der EEG-Umlage auf der Stromrechnung kaum bemerkbar. Ohne den Eingriff des Staates wäre die EEG-Umlage auf fast 9,7 Cent gestiegen. Für ihre Stabilisierung werden Einnahmen aus der CO2-Bepreisung verwendet.

TEURER GRUNDPREIS: Verbraucherschützer kritisieren, dass bei den Stromtarifen der Grundpreis in den vergangenen Jahren stärker gestiegen ist als der sogenannte Arbeitspreis, der pro verbrauchter Kilowattstunde Strom bezahlt werden muss. «Das ist eine soziale Umverteilung durch die Hintertür, denn der Grundpreis trifft ärmere Haushalte mit niedrigem Stromverbrauch übermäßig hart», sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Udo Sieverding.

Nach Berechnungen von Verivox ist für einen Ein-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 1500 Kilowattstunden der Arbeitspreis zwischen 2016 und 2021 um durchschnittlich knapp 10 Prozent gestiegen, der Grundpreis aber um fast 30 Prozent. «Diese Entwicklung macht Stromsparen immer weniger attraktiv», kritisierte Verivox-Experte Storck. «Um stromsparendes Verhalten effektiv zu belohnen, müsste gerade der Preis pro Kilowattstunde im Vergleich zum monatlichen Festpreis deutlich ansteigen.»

HOHER BÖRSENPREIS: Auf Preissenkung durch geringere Beschaffungskosten der Stromversorger können die Verbraucher vorerst wohl nicht hoffen. «Aufgrund der gestiegenen Großhandelspreise ist für Stromkunden keine Entlastung in Sicht», sagte Check24-Geschäftsführer Schmid. Im Dezember 2020 sei an der Strombörse der Preis für eine Megawattstunde Strom mit durchschnittlich gut 48 Euro auf den höchsten Wert seit November 2018 geklettert.

Copyright 2020, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten, Von Claus Haffert, dpa